So reinigen Sie Ihre Solaranlage richtig

24 Stunden am Tag der Witterung ausgesetzt zu sein, hinterlässt an jeder Gerätschaft gewisse Spuren. Eine Solaranlage bildet da keine Ausnahme. Ob strahlender Sonnenschein, Wolkenbruch, Sturmböen oder klirrende Kälte: Die Solaranlage muss damit zurechtkommen. Zwar sind die Systeme heute ausgesprochen langlebig und robust, ein bisschen Hilfe von außen kann aber nicht schaden. Pflegen und reinigen Sie Ihre Solaranlage mit der notwendigen Sorgfalt, hält das nicht nur ihren Ertrag hoch, sie bleibt Ihnen außerdem für lange Zeit erhalten. Was Sie tun können, um die Lebensdauer zu verlängern, und welche Ideen Sie am besten sofort wieder verwerfen sollten, erklären wir in diesem Artikel.

Warum müssen Solaranlagen gereinigt werden?

Solaranlagen sind permanent der Witterung und ihren Einflüssen ausgesetzt. Zu Sonne, Regen, Schnee und Wind gesellen sich andere (Umwelt)Einflüsse wie Staub, Abgase, Vogelkot, Blätter etc. Die Kombination all dieser Wirkungen setzt der Anlage und besonders den Modul-Oberflächen mit der Zeit gehörig zu. Schmutz lagert sich ab, Vogelkot brennt sich ein und greift die Zellen an (vergleichbar mit der Situation beim Auto). Die Ablagerungen sorgen dafür, dass weniger Sonnenstrahlung in die Zellen eindringt, wodurch sich wiederum der Ertrag der Photovoltaikanlage verringert. Um die Effektivität auf einem Maximum zu halten, ist es deshalb wichtig, die Oberfläche der Solaranlage zu reinigen.
Dazu kommt, dass eine gewartete Anlage grundsätzlich langlebiger ist als ein Modell, welches voll und ganz sich selbst überlassen wurde. Das trifft natürlich nicht nur auf die Photovoltaik, sondern auf sämtliche mechanischen, elektrischen Anlagen zu.

Info:
Die Leistungseinbußen durch Verschmutzung sind bei Photovoltaik-Modulen deutlicher zu beobachten als bei Solarthermie-Anlagen. 

Welche Rolle spielt der Neigungswinkel bei der Reinigung einer Solaranlage? 

An dieser Stelle zu behaupten, Solarmodule würden über die Fähigkeit zur Selbstreinigung verfügen, wäre übertrieben. Grundfalsch ist die Aussage allerdings nicht. Wenn es darum geht, Schmutz, Staub und Laub von der Oberfläche der Paneele zu entfernen, muss der Besitzer nicht immer selbst zur Tat schreiten. Vorausgesetzt, bei der Montage wurde ausreichend Abstand zwischen den Modulen gelassen (etwa 2.cm), so dass Schmutz und Dreck nicht von einem zum nächsten gespült wird. Darüber hinaus ist die Wahl des richtigen Neigungswinkels bei der Montage der Anlage ein entscheidender Faktor.

Vordergründig ist der Neigungswinkel wichtig, wenn es um die ideale Ausrichtung der Anlage zur Sonne geht. Denn nur bei perfektem Einfallswinkel der Sonnenstrahlen erreichen die Module ihren Maximalertrag. Die Neigung spielt aber auch bei Verschmutzung und Reinigung eine Rolle. Ist der Winkel groß genug, können Staub und Schmutz durch Regen und Schnee abgewaschen werden. Liegt die Neigung unter 12°, dieser Effekt zwar noch vorhanden, aber deutlich geringer. nicht genützt . Bei Schrägdächern ergibt sich von Haus aus eine Neigung weit über diesem Grenzwert. Im Fall von Flachdächern oder bei Aufständerung im Garten muss allerdings darauf geachtet werden, die Module im entsprechenden Mindestwinkel zu montieren.

Wie sieht die richtige Reinigung einer Solaranlage aus? 

Der wohl wichtigste Grundsatz lautet: Reinigen Sie möglichst schonend! Viele Menschen machen den Fehler und nehmen an: „Glas ist gleich Glas“. Also greifen Sie zu Mitteln, die sich bei der Fensterreinigung bewährt haben. Das ist allerdings gefährlich. Das Glas von Solaranlagen ist nämlich meist mit einer hauchdünnen Antireflexschicht überzogen. Und die wird durch den Einsatz von groben Reinigungsmitteln beschädigt.
Das trifft sowohl für Reinigungsgeräte wie Bürsten oder Besen zu als auch auf Reinigungspräparate. Klassische Haushaltsreiniger oder gar Scheuermittel sind absolut tabu! Sie würden die Oberfläche der Solarmodule beschädigen. Auch vom Einsatz von Hochdruckreinigern raten wir dringend ab. Der könnte zu Rissen und Sprüngen im empfindlichen Glas führen und die Integrität der Anlage nachhaltig beschädigen. Vermeiden Sie es deshalb, zwischen den Modulen zu balancieren. Ein falscher Schritt kann sehr teuer werden. Ebenfalls wichtig: Wasser direkt aus der Leitung ist keine gute Idee. Der Kalkgehalt ist unter Umständen zu hoch, was Spuren auf den Modulen hinterlassen kann. Kurz zusammengefasst sind also folgende Dinge ein Reinigungs-No-Go: 

  • Bürste/Besen
  • (Aggressive) Haushaltsreiniger
  • Hochdruckreiniger
  • Leitungswasser
  • Balancieren zwischen den Modulen 

Wie es nicht geht, ist nun bekannt. Wie aber sehen nun unsere Empfehlungen für eine gelungene Reinigung der Solaranlage aus? Wenn es unbedingt Reinigungsmittel sein soll, dann greifen Sie unbedingt zum mildesten Präparat, das sie finden können! Idealerweise reinigen Sie überhaupt nur mit Regenwasser, somit umgehen Sie das Problem der etwaigen Kalkablagerungen. Benötigen Sie doch stärkere Zusätze, benutzen Sie rückstandsfreie Lösungsmittel. Besorgen Sie sich zudem eine extra weiche Spezialbürste für Glas. Warten Sie mit dem Beginn der Reinigungsarbeiten unbedingt, bis die Solarmodule ausgekühlt sind. So reduzieren Sie nicht nur das Verletzungsrisiko für sich selbst . Sie verhindern damit außerdem, dass es beim Auftreffen des kalten Reinigungswassers auf die erhitzte Oberfläche zu Spannungsrissen im Glas und in den Zellen kommt. Damit Sie nicht zwischen den Solarpaneelen balancieren müssen, greifen Sie zu entsprechend langen Teleskopstangen. Unsere Empfehlungen kurz zusammengefasst: 

  • Regenwasser statt Leitungswasser
  • Möglichst keine, und wenn doch, milde Reinigungsmittel
  • Weiche Bürsten
  • Warten, bis die Module ausgekühlt sind
  • Teleskopstangen verwenden 


Sollten Sie unsicher sein, was Sie Ihrer Solaranlage zumuten können, widmen Sie sich unbedingt im Vorfeld der Arbeiten den Herstellerangaben. Sie geben Auskunft über die ideale Art der Reinigung und warnen vor möglichen Gefahren.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gilt es bei der Solaranlagenreinigung einzuhalten?

Der gängigste Montageort einer Solaranlage ist und bleibt das Dach. Dass eine Reinigung der Anlage deshalb große Gefahren in sich birgt, liegt auf der Hand. Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, sich der Aufgabe nur dann zu stellen, wenn im Vorfeld alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Sorgen Sie unbedingt für eine funktionierende Absturzsicherung. Berühren Sie während der Reinigung auf keinen Fall stromführende Komponenten. 
Die lauernden Gefahren sind nicht von Hand zu weisen. Unfälle können schwere Verletzungen und im schlimmsten Fall sogar den Tod nach sich ziehen. Unsere Empfehlung lautet daher: Legen Sie die Reinigung Ihrer Solaranlage in die fähigen und erfahrenen Hände von Fachleuten! Eine professionelle Reinigung garantiert, dass die Anlage auch weiterhin so funktioniert, wie sie das soll. Zudem schalten Sie Ihr persönliches Risiko für Leib und Leben aus. Und keine Sorge: Die Reinigung durch einen Fachbetrieb ist nicht besonders teuer.

Solaranlage selbst reinigen? Nur ohne Risiko für Leib, Leben und die Solarmodule!

Wie teuer ist die Reinigung einer Solaranlage? 

Die Kosten für eine gründliche und professionelle Solaranlagen-Reinigung richten sich im Normalfall nach der Größe der Anlage, also nach der Quadratmeteranzahl. Je größer die Anlage, desto teurer wird die Angelegenheit. Professionelle Reinigungsfirmen berechnen für die Erstreinigung pro m² meist zwischen 1 und 3 €. Bei Folgereinigungen halbiert sich der Preis, da der Aufwand meist ebenfalls weniger wird.
Holen Sie aber auf jeden Fall Angebote von mehreren Firmen ein. Ein Vergleich kostet (außer ein wenig Zeit) nichts und lohnt sich am Ende immer.

Lohnt sich die Reinigung einer Solaranlage überhaupt? 

Die Antwort auf die Frage, ob sich die Reinigung einer Solaranlage lohnt und wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, lässt sich durch eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung ermitteln. Erst, wenn die schleichende Ertragsminderung durch die Verschmutzung und der dadurch entstehende Verlust bei der Einspeisevergütung die veranschlagten Kosten einer Reinigung übersteigen, ist der Zeitpunkt gekommen, aktiv zu werden.
Unserem Beispiel liegt die Annahme zugrunde, dass Sie einen Fachbetrieb mit den Arbeiten betrauen. Selbstverständlich ist eine Reinigung Ihrer Solaranlage auch auf eigene Faust durchführbar, dabei lauern dann allerdings, wie weiter oben bereits erwähnt, doch einige Fallen. Sehen wir uns die ganze Sache anhand eines konkreten Beispiels an.
In unserem Beispielszenario möchten Sie Profis engagieren, um Ihre Solaranlage zu reinigen. Der Kostenvoranschlag ergibt einen Preis von 500 €.Multiplizieren Sie dazu die in Kilowattstunden umgerechneten Reinigungskosten mal 100 und dividieren Sie diesen Wert anschließend durch die jährlichen Kilowattstunden: (Reinigungskosten in kWh x 100)/ Jahresertrag in kWh). Das Ergebnis ist der jährliche Ertragsverlust Ihrer Anlage. Der Zeitpunkt für eine Reinigung ist dann gekommen, wenn der durch Verschmutzung bedingte Ertragsverlust den errechneten Prozentsatz erreicht bzw. übertrifft.
Im Folgenden zwei Beispielrechnungen, einmal mit Selbstverbrauch des produzierten Stromes (30 Cent/kWh) und einmal mit einer Einspeisevergütung (8 Cent/kWh): 

Geschätzte Reinigungskosten für die Solaranlage: 500 €
Jährlicher Ertrag der Beispielanlage: 29.000 kWh. 

Bei Selbstnutzung des produzierten Stromes: 

Bei Reinigungskosten von 500 Euro und einem gesparten Strompreis von 30 Cent/kWh, muss die Anlage um die 1670 kWh erzeugen, um die Ausgaben wieder zu erwirtschaften. In Relation zur Jahresleistung ergibt sich daraus ein Verhältnis von 6,8 % Erreicht der Ertragsverlust durch Verschmutzung diesen Wert, empfiehlt sich eine Reinigung. 

Bei der Einspeisung des produzierten Stroms ins Netz: 

Bei Reinigungskosten von 500 Euro und der Einspeisevergütung von knapp 8 Cent/kWh muss die Anlage um die 6.250 kWh erzeugen, um die 500 Euro der Reinigung zu erwirtschaften. Daraus ergibt sich ein Verhältnis von 21,5 %. Erreicht der Ertragsverlust durch Verschmutzung diesen Wert, empfiehlt sich in dem Fall eine Reinigung.