Verbreiten Klimaanlagen & Lüftungen Corona?

Dieses eine große Thema beschäftigt die globale Gemeinschaft seit nun gut einem Jahr. Unzählige Artikel wurden dazu verfasst, unzählige Meinungen publiziert. Immer wieder tauchten dabei in der Berichterstattung Fragen bezüglich der Verbreitung von Coronaviren über Lüftungsanlagen auf. Begünstigen Lüftungsanlagen eine Ausbreitung der Coronaviren? Oder dämmen sie sie am Ende gar ein? Wir haben uns für Sie schlaugemacht und fassen in diesem Artikel den aktuellen Stand der Debatte zusammen.

Coronavirus und Lüftungsanlagen / Klimaanlagen: Die Befürchtung

Als sich die Pandemie im März 2020 nach und nach in Mitteleuropa ausbreitete, tauchten immer wieder Gerüchte und Geschichten auf, mehrere Neuinfektionen seien durch Lüftungsanlagen verursacht worden. Und die Behauptung klingt auf den ersten (Laien-)Blick auch durchaus nachvollziehbar. Mit dem SARS-CoV-2-Virus kontaminierte Luft wird von der Lüftungsanlage angesaugt, aus dem Ursprungszimmer sozusagen abgeführt und im restlichen Gebäude verteilt. Für eine Ansteckung wäre somit ein direkter und längerer Kontakt von Angesicht zu Angesicht nicht mehr nötig. Die Viren in der Raumluft reisen mittels Lüftungsanlagen von einem Zimmer ins nächste.
Neue Nahrung erhielten die Befürchtungen Ende April des vergangenen Jahres, als bekannt wurde, dass sich zwei chinesische Familien bei einem Restaurantbesuch mit dem Virus angesteckt hatten. Eine dritte, bereits infizierte Familie hatte ihn mit in das Lokal gebracht. Direkten Kontakt zwischen den Gruppen gab es allerdings nicht. Deshalb wurde damals vermutet, dass die Ansteckung über die Klimaanlage erfolgt sein könnte.

Coronavirus und Lüftungsanlagen / Klimaanlagen: Der aktuelle Stand

Seither ist viel Zeit vergangen, viele der einst starken Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Dazu zählt, nach heutigem Stand der Dinge, auch die Angst vor der Verbreitung der Viren durch Klima- und Lüftungsanlagen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Richtig konfiguriert und vorbildlich gewartet können die Geräte sogar dazu beitragen, die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen.
Das trifft nun wiederum nicht auf alle Varianten zu. Auf dem Markt gibt es zurzeit unzählige Modelle mit unterschiedlichen Funktionsweisen. Wir haben ihre Vor- und Nachteile für Sie zusammengefasst:

  1. Raumlufttechnische (RLT-)Anlagen: Eine RLT-Anlage besteht aus neben den Lüftungskanälen und den Ventilatoren aus weiteren Komponenten. Die Anlagen erfüllen dabei mindestens eine der folgenden Funktionen:

    • Filtern
    • Kühlen
    • Heizen
    • Entfeuchten
    • Befeuchten
    Jetzt zur grundlegenden Frage: Begünstigen Lüftungs- und Klimaanlagen die Verbreitung von Corona-Viren? Die Antwort lautet klar: Nein. Zumindest nicht nach derzeitigem Wissensstand. In RLT-Anlagen sind, je nach Einsatzgebiet, stärkere oder schwächere Filter verbaut. Die sorgen dafür, dass von außen keine Viren in den Raum strömen können, reinigen die zu verteilende Luft und senken somit die Virusbelastung erheblich. Zu dieser Reduktion trägt außerdem der Umstand mit, dass durch die RLT-Anlagen die Luft permanent ausgetauscht wird, sich potenzielle Virencluster nicht vergrößern können.
    Allerdings ist besonders bei älteren RLT-Anlagen Vorsicht geboten. Denn: Um Energie zu sparen, werden diese oft als Umluftanlagen betrieben. Die alte Luft wird also nur teilweise ausgetauscht, sondern lediglich mit neuer Luft vermischt. Experten raten aktuell dazu, auf die Umluftfunktion zu verzichten. Um das zu erreichen, genügt die Schließung der Umluftklappen. 

  2. Umluftklimageräte ohne Frischluftzufuhr (Split-Klimaanlangen):  Einfache Montage, unkomplizierte Nachrüstung und niedriger Preis. Die besonders aus Arztpraxen oder Restaurants bekannten Split-Klimageräte erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie bestehen aus einem Außen- und einem Innengerät bzw. in manchen Ausführungen aus mehreren Innengeräten. Wie der Name schon sagt, abreiten diese Geräte mit Umluft, es erfolgt also kein Austausch der Luft. Allerdings wirken die Geräte sehr zielgerichtet und lediglich in dem Raum ihrer Installation. Eine Verbreitung von Viren in andere Räume ist zwar rein physikalisch durchaus möglich, kommt in der Praxis allerdings so gut wie nicht vor.

So wichtig ist die regelmäßige Wartung Ihrer Klima- und Lüftungsanlagen

Schon vor den Zeiten von Covid-19 war es eine gute Idee, sich an den empfohlenen Reinigungs- und Wartungsplan von Klima- und Lüftungsanlagen zu halten. Das gilt umso mehr in der immer noch aktuellen Situation. Die aus der Luft gefilterten Schadstoffe (Feinstaub, Viren etc.) setzen sich in den Filtern fest, die müssen deshalb regelmäßig ausgetauscht werden. Nur so bleibt die Wirkung der Anlage garantiert.
Achtung:
Ist das Virus erst einmal aus der Luft entfernt und wurde es im Filter festgesetzt, kann es sich dort nicht mehr lösen und verbleibt in den Fasern. Zudem überlebt es auf offenen Flächen nicht länger als 3 Tage. Dennoch empfehlen wir dringend, bei einer anstehenden Kontrolle oder einem anstehenden Filtertausch entsprechend Schutzausrüstung zu tragen. Die besteht aus: 

  • FFP3-Atemschutzmaske
  • Schutzbrille
  • Schutzkittel

Führen Sie mindestens alle 15 Monate – idealerweise beträgt das Intervall lediglich ein Jahr – eine komplette Funktionsüberprüfung Ihrer Klima- und Lüftungsanlagen durch. Dokumentieren Sie die Ergebnisse dabei gewissenhaft.

Welche Filter sind zu empfehlen und können sie nachgerüstet werden?

Die derzeit besten Filter sind sogenannte HEPA- oder Schwebstofffilter. HEPA steht dabei für High Efficiency Particulate Air/Arrestance. HEPA-Filter werden anhand ihrer Leistungsfähigkeit nochmals in Untergruppen unterteilt. Während H13 und H14 die „normalen“ Filter darstellen, handelt es sich bei Produkten der Klassen H15 bis H17 um absolute Hochleistungs-Schwebstofffilter. Sie kommen in sogenannten Reinräumen zum Einsatz.
Besonders in älteren Anlagen finden sich allerdings keine HEPA-Filter. Deshalb taucht immer wieder die Frage auf, ob es sich eine entsprechende Nachrüstung lohnen würde. Was theoretisch technisch möglich ist, stellt sich in der Praxis meist als weniger gute Lösung dar. Die Leistung einer RLT-Anlage ist das Produkt einer Feinabstimmung all ihrer Bauteile. Dazu gehören auch die Filter. Werden diese gegen Filter mit anderen Eigenschaften hinsichtlich der Durchlässigkeit ausgetauscht, gerät das Gleichgewicht innerhalb des Systems durcheinander. Die Anlage arbeitet nicht mehr effizient, die Lüftungsleistung lässt nach. Außerdem können nach einem Austausch kleine undichte Stellen an den Rahmen der Filter zurückbleiben, was die Verbreitung von Covid-19 wiederum begünstigen würde. Und genau das soll ja verhindert werden.

Werden Einbau und Nachrüstung einer Lüftungs- oder Klimaanlage gefördert?

Eine eventuelle Nachrüstung bestehender RLT-Anlagen muss unbedingt von Profis durchgeführt werden. Zu groß wären die Auswirkungen einer laienhaften Arbeit. Profis kosten aber – berechtigterweise – Geld. Die gute Nachricht: Es gibt Förderungen! Sogar mehrere Varianten. Wir haben für Sie zusammengefasst, welche das sind.

  • BAFA-Förderung: Die Unterstützungen des Bundesamtes für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle (kurz: BAFA) betreffen ausschließlich die Um- und Aufrüstung entsprechender Anlagen in Versammlungsstätten und öffentlichen Gebäuden. Eben Orte, an denen viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Förderwürdig sind Ausgaben für Investition, Planung und Montage. Übernommen werden 40 % der förderfähigen Kosten. Der Maximalbetrag liegt bei 100.000 Euro pro RLT-Anlage.
  • KfW-Förderung: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (kurz: KfW) vergibt Förderungen für „die kontrollierte Wohnraumlüftung“. Diese sind sowohl für Sanierung als auch für komplette Neumontagen zu haben. Die maximale Darlehenssumme für Einzelmaßnahmen (Sanierung) liegt bei 50.000 Euro (0.75 % effektiver Jahreszins, 10.000 Euro Tilgungszuschuss). Planen Sie die Installation von Klima- oder Lüftungsanlagen im Neubau, übernimmt die KfW 50 % der Baubegleitungskosten. Der Maximalzuschuss je Vorhaben beträgt 4.000 Euro.
  • Steuerermäßigungen: Das Einkommenssteuergesetz (EStG) sieht im Artikel 35a III eine „Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen“ vor. Darunter fallen auch (vorbereitende) Arbeiten für die Montage einer Klima- oder Lüftungsanlage. Für diese Leistungen verringert sich die Einkommenssteuer bei Antrag um 20 Prozent. (Maximalbetrag: 1.200 Euro). Aber Vorsicht: Die Steuerermäßigungen treffen nicht zu bei öffentlich geförderten Maßnahmen, für die bereits zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse in Anspruch genommen wurden.

Was hilft neben Filtern noch, die Ausbreitung von Viren in Innenräumen einzuschränken?

Lüftungs- und Klimaanlagen sind, wenn sie mit passenden Filtern ausgerüstet sind und nicht rein im Umluftprinzip funktionieren, dazu imstande, Viren aus der Raumluft filtern. Weniger gute Filter entfernen zwar Feinstaub und andere Partikel, gegen gefährliche Kleinstteilchen haben sie allerdings meist keine Chance. Eine weitere Möglichkeit zur Reduktion der Schadstoff- und Virenkonzentration in der Raumluft ist: Lüften.
Und das aus einem ganz einfachen und nachvollziehbaren Grund. Beim Lüften passiert in Wahrheit nichts anderes als ein Luftaustausch. Verbrauchte und abgestandene Luft wird von frischer, unverbrauchter Luft abgelöst. Damit sinkt logischerweise auch die Konzentration an Viren.
Zudem ist es wichtig, die Luftfeuchtigkeit zu achten. Je niedriger nämlich die Luftfeuchtigkeit ist, desto weniger Wasser können die umherschwebenden Viren aufnehmen und desto leichter halten sie sich in der Raumluft. Trockene Luft trocknet außerdem die Schleimhäute in Nase und Mund aus, was wiederum das Eindringen von Viren erleichtert. Der Idealwert hinsichtlich der Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 40 und 60 %.
Tipp:
Um die Luftfeuchtigkeit in Ihren Wohnräumen stets im Auge zu haben, legen Sie sich ein simples Hygrometer zu. Das ist nicht teuer und gibt stets Auskunft darüber, ob es wieder Zeit für eine Stoßlüftung wäre.

Fazit: So helfen Klima- und Lüftungsanlagen dabei, die Verbreitung von Viren einzudämmen

Durch die kontinuierliche Zufuhr an Frischluft halten Klima- und Lüftungsanlagen die Konzentration von Schadstoffen – und somit auch Viren – in der Raumluft gering. Dazu reinigen eingebaute Filter die von außen angesaugte Luft, ehe sie in den Wohn-/Arbeitsbereich geblasen wird. Je besser die Filter, desto besser auch die Reinigungsleistung.
Bei Umluftanlagen ist der Effekt weitaus geringer, da hier keine Frischluft angesaugt, sondern lediglich die bereits verbrauchte Luft gereinigt und wiederaufbereitet wird. Frischluftanlagen sind Umluftanlagen somit auf jeden Fall vorzuziehen.
Eine weitere, simple Möglichkeit, die Viren- und Schadstoffkonzentration in der Raumluft zu verringern, ist Lüften. Dadurch wird nicht nur die Luft ausgetauscht, sondern auch die Luftfeuchtigkeit auf einem gesunden Niveau gehalten. Ist die Luft nämlich zu trocken, reizt das nicht nur die Schleimhäute, sondern erleichtert es Covid-19, sich auszubreiten. Feuchte Luft ist schwerer, sinkt eher zu Boden und nimmt die Viren dabei mit.