Hitzewelle und Rekordsommer 2018

Wenn selbst die letzten sonst so Sonnenbegeisterten über die Hitze schimpfen, Ernten verderben, ganze Landstriche unter knallenden Sonne verdorren – dann geht man maximal vom Süden Europas aus. Dieses Jahr jedoch ist dies erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnung ein Problem des gesamten Kontinents, auch von Nordeuropa. Ein Rekordsommer, eine Hitzewelle mit eigenen Eintrag auf Wikipedia, und vor allem eines: Eine Belastung für Mensch wie Natur und ein Warnsignalfür die Wissenschaft!

Heiße Sommer durch den Klimawandel?

Themen rund um den Klimawandel sind oft polarisierend, da es sowohl Befürworter als auch (wenige) Kritiker gibt. Ein Team von Wissenschaftlern des World Weather Attribution Networks aus Oxford hat das Thema aus gegebenen Anlass unter den Aspekten der neuen Forschungsrichtung attribution science (Wissenschaft von der Zuordnung) beleuchtet. Dabei wurde hinterfragt: Wäre diese Hitzewelle in Nordeuropa auch ohne den Einfluss des Menschen auf das Klima aufgetreten – also ohne einen potenziell bereits gestarteten Klimawandel? Die Antwort: Unwahrscheinlich. Vielmehr deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit solcher extremen Hitze je nach Gegend in Europa um das Zwei- bis Fünffache erhöht…

Große Hitze in Zukunft wahrscheinlicher

Die vorläufige Analyse durch die Wissenschaftler basiert auf den Daten von sieben Wetterstationen in ganz Nordeuropa. So wurden Messungen in Irland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland für die Einschätzung analysiert. Die Ergebnisse daraus zeigen einen klaren Trend hin zu häufiger auftretenden und extremeren Hitzewellen! So erhöhen steigende globale Temperaturen die Chance auf Hitzewellen wie im Sommer 2018 in Dänemark um das Fünffache, in den Niederlanden um das Dreifache und in Irland um das Zweifache. Die jährlichen Schwankungen des Sommerwetters in Schweden, Finnland oder Norwegen erschweren eine Zuordnung der aktuellen Hitze zum Klimawandel dort. Aber dennoch: "Wir können feststellen, dass die Hitzewellen in Skandinavien wie im übrigen Europa zugenommen haben - und weiter zunehmen", so einer der beteiligten Wissenschaftler. Die Grafik unten zeigt den Anstieg der Temperaturen seit den späten 70ern anschaulich. Dabei wurden natürliche Einflüsse schon berücksichtigt, die das Klima erwärmen (El Niño, Sonne, vulkanische Aktivitäten).

Hitze Nordeuropas als Grundlage

Besonders stark machte sich die Hitze im Sommer 2018 in den nördlichen Ländern Europas bemerkbar.In Skandinavien etwa war die Steigerung der Temperatur enorm aber auch Dänemark und nördliche Teile Englands litten unter ungewohnter Hitze. Um die direkten Auswirkungen auf den Menschen zu verdeutlichen, wurden „vor allem Orte/Wetterstationen betrachtet, an denen auch wirklich Menschen leben, um die Hitzewelle darzustellen, die die Menschen wahrnehmen“, so Dr. Friederike Otto, stellvertretende Direktorin des Environmental Change Institute an der Universität Oxford. Diese Stationen wurden ausgewählt, weil sie "Daten sofort zur Verfügung hatten", fügte Otto hinzu, und weil umfangreiche Aufzeichnungen zur Verfügung standen. Die Forscher definierten die Hitzewelle an jedem Standort, indem sie die bisher heißeste Drei-Tage-Periode des Jahres bestimmten. Dann untersuchten die Forscher die langjährigen Temperaturaufzeichnungen, um herauszufinden, wie selten die diesjährigen Hitzewellen waren. In Irland, Dänemark, Norwegen und den Niederlanden würden derart heiße Dreitagesperioden eigentlich alle fünf bis acht Jahre auftreten, in Schweden jedoch eigentlich nur einmal alle 30 Jahre und in Finnland weniger als einmal alle 90 Jahre.

Die Karte visualisiert die heißesten drei Tage in Europa in diesem Sommer im Vergleich zu den zu den Jahren 1981 bis 2010. Die orangenen und roten Flächen zeigen überdurchschnittlich hohe Temperaturen, während die blauen Schattierungen niedriger sind. Da aber besonders die Gegenden um die Polkappen von der Erwärmung beeinflusst werden, wird die Brisanz der aktuellen Lage deutlich – denn der Norden leuchtet rot. 

Massive Wärme auch in Zukunft?

Aktuell deutet also vieles darauf hin, dass sich die Entwicklung die nächsten Jahre fortsetzt und weitere Rekordsommer anstehen. Um dies langfristig wieder abwenden zu können, bleibt allenfalls nur die konsequente Umsetzung von Klimazielen. Für eine mittelfristige Bestätigung der vorläufigen Ergebnisse wird jedoch nur eine weitere Beobachtung der Temperaturen sorgen können. Die Attribution-Wissenschaftler betonen zudem, dass die Bewertung der Hitze dieses Sommers nur vorläufig sein kann, solange dieser noch andauert. Trotzdem gibt es auch ohne die kompletten Daten bereits jetzt unumstößliche Fakten, die die Erwärmung der Erde verdeutlichen!

Fakten zum Klimawandel:

- Durch eine Erwärmung der Erde treten Hitzewellen häufiger und extremer auf
- Neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung liegen im 21. Jahrhundert
- Die globale Durchschnittstemperatur ist seit Beginn der Industrialisierung um ein Grad angestiegen
- Die Temperaturen in der Arktis steigen doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt

  

 

Quelle: World Weather Attribution, zeit.de, carbonbrief.org, DWD, skepticalscience.com