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Die Geschichte der Heizung
Eine Freude für jeden Urmenschen: Ein brennender Baum

Heizungen sind in unseren Breitegraden gängiger Wohnstandard und schaffen nicht wegzudenkende Lebensqualität. Dabei ist Ihre Entwicklung eine komfortable Folge eines bahnbrechenden Schritts der menschlichen Evolution: Der Nutzung des Feuers. 

Feuer frei gegen Kälte, Hunger und Raubtiere

Bereits in der Steinzeit lernte der Urmensch die Vorzüge des Feuers zu schätzen: Es spendete Wärme, die den Körper vorm Kältetod schütze und so manche Nahrung konnte damit in eine halbwegs genießbare Form gebracht werden. Die Leckereien und dazu gleich die ganze eigene Urmenschen-Sippe konnten damit auch gleich relativ leicht gegen Raubtiere verteidigt werden – zum Glück für unsere Vorfahren, waren Bären, Wölfe und andere Fleischfresser keine Fans von Feuer am eigenen Leib! Das Problem zu Beginn: Feuerzeuge waren noch nicht einmal in der Entwicklung und der Mensch war also auf zufällig entstandene Feuer angewiesen. Also wirklich zufällig. Durch einen Blitzschlag oder einen Erdbrand  zum Beispiel. Wollte der Mensch die Vorzüge dauerhaft genießen, musste er einen Weg finden, das heiße Element „on demand“ zu entzünden. Feuer auf Kommando, das klappte erst später mit der Nutzung von Feuersteinen und solange galt: Das Wichtigste ist, dass das Feuer nicht aufhört zu brennen! 

Hypokausten! Hypo…was? Na die Römer halt wieder!

Das Feuer war gezähmt, die ersten Städte schon wieder verbrannt, da entstand die Idee eines fortgeschrittenen Wärmespenders für Gebäude. Wie so viele angenehme Dinge der Neuzeit, hat die technische Umsetzung der Heizung ihren Ursprung bei den umtriebigen Römern, angeblich im in Form von Gaius Sergius Orata. Der findige Kaufmann hatte die Idee, gezielt Luft zu erwärmen und diese dann unter die Fußböden von Räumen zu leiten. Doch damit nicht genug! Da warme Luft nach oben steigt, wurde diese nach dem Fußboden durch Leitungen im Haus in die oberen Räumlichkeiten geleitet. Ziemlich nachhaltig eigentlich. Da der ganze Spaß im Gegensatz zu heute aber alles andere als erschwinglich war, wärmten sich zu Beginn nur reiche Hausbesitzer die Füße. Das gemeine Volk musste sich die Thermen genannten Badehäuser begeben, in denen die Heizsysteme installiert waren. Die Wärmespender wurden als Hypokausten bezeichnet, abgeleitet vom griechischen „Hypokaustos“, welches mit „von unten beheizt“ übersetzt werden kann.Hypokausten wärmten schon den Römern die Füße

Lass kacheln: Kamin & Kachelofen

Leider vergaß man beim Untergang des römischen Reiches die Idee der Heizung weiter voranzutreiben. Wie viele Errungenschaften der Antike geriet sie im dunklen Mittelalter erstmal unter die Räder des Vergessens. Aber Lösungen wie lose Feuerstellen, erwiesen sich aufgrund der Holzbauweise als nicht gerade optimal oder förderlich. Der sicherheitsbedachte Heizer hielt daher das Feuer bereits mit Steinen abgesichert in Zaum oder ließ die Feuerstelle einfach vertieft in den Boden ein. Der beim Feuer entstehende Rauch war auch damals schon unbeliebt in Wohnraum und Lunge und wurde daher über Öffnungen aus dem Wohnbereich geleitet. Dieses Grundprinzip wurde dann schließlich durch den Kamin perfektioniert! Ein Schornstein über einer Feuerstelle, die bereits damals gemauert sein konnte, brachte enorme Vorteile: Abgase und Ruß wurden nicht im Raum verteilt – vielmehr entzog das Feuer Luft aus dem Raum und leitete die Brandgase gezielt durch den Schornstein ab. Damit die Flammen weiter brannten und die Bewohner nebenbei nicht an Sauerstoffmangel litten, mussten die Wohnstätten auch gut belüftet werden – nicht das schlechteste für Kreislauf und Befinden der Insassen. Im Laufe der Zeit löste Kohle Holz als Brennstoff ab, die Sie günstiger wurde, leistungsfähiger war und einfacher zu lagern.

Kachelofen: Zentraler Wärmespeicher

Getoppt wurde die Erfindung des Kamins jedoch noch von der Entwicklung des Kachelofens. Diese meist massiven Öfen konnten, zentral verbaut, gleich mehreren Räumen Wärme spenden. Die beim Bau des Ofens verwendeten Kacheln bestanden aus Ton/Keramik und speicherten Wärme in einer völlig neuen Qualität über einen langen Zeitraum. So gab ein bis in die Abendstunden befeuerter Kachelofen auch über die Nacht noch Wärme ab. Eine Seitenbank daran sorgte für einen warmen Platz, Einschübe und Hitzekammern für warme Speisen. 

Zentralheizung für Adel und Volk

Die Idee einer zentralen Heizung ist zum Zeitpunkt Ihrer Erfindung also eigentlich nicht neu, aber trotzdem wichtig und richtig. Wie bei den Römern begannen besser situierte Bürger und Adelige damit, ihre Schlösser, Villen und Herrenhäuser von einem Ort aus zentral zu beheizen. Von dort aus wurde die Wärme über bauliche Maßnahmen, wie Ofen- und Heizungsrohre, in die verschiedenen Räume verteilt. Dank Heizklappen und ausgefeilten Systemen funktionierte das auch auf Abruf und kostengünstiger als zuvor. 

Heizen mit Wasser & Dampf dank Martin Trifvald, Martin Haag und Jacob Perkins

Obwohl auch in Deutschland bis teils bis in die 90er noch mit Öfen geheizt wurde, waren die modernen Heizungen schon ein Weilchen bekannt. So konstruierte der Schwede Martin Trifvald bereits um 1716 eine Art Warmwasserheizung. Die war jedoch für ein Gewächshaus gedacht und spielte vorerst keine Rolle. Ebenso wie die Dampfheizung, die der Allgäuer Johannes Haag bereits 1843 im Schloss in Sigmaringen am Bodensee installierte. Zugegebenermaßen nicht seine Erfindung, sondern die des US-Amerikaners Jacob Perkins. Diese Vorläufer ermöglichten die Entwicklung der modernen Heizung wie die Pumpenwarmwasserheizung von Buderus. Dank der konnte das warme Wasser auch über mehrere Stockwerke transportiert und diese so beheizt werden. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich der Schwerpunkt von Kohle als Brennstoff jedoch erst auf Öl und inzwischen mehr auf Gasheizungen oder etwa Pelletheizung verlagert. Zudem setzen immer mehr Hausbesitzer auf wasserführende Kamine, welche das ursprüngliche Prinzip der Warmwasserheizung im Kleinen nutzen und dabei die Heizleistung erhöhen und die Heizkosten senken.

Kachelofen by Pierre Poschadel

Central Heating by Tagishsimon

Quelle: Wikipedia, was-war-wann.de.